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#014 Stolperfallen erkennen: 12 Empfehlungen für dein Kennzahlensystem

Episode erschienen am2. August 2026

Darum geht es

Kennzahlen sollen Transparenz schaffen und Führung ermöglichen. In der Praxis entstehen jedoch schnell Diskussionen darüber, was genau gemessen wurde und wie das Ergebnis zu interpretieren ist.

In dieser Solo-Episode beschäftige ich mich mit operativen Kennzahlen für Werke und Produktionsnetzwerke. Anhand konkreter Beispiele zeige ich, welche Annahmen bereits in einer scheinbar einfachen Kennzahl wie der Liefertreue stecken.

Ich erläutere zwölf Punkte, die beim Aufbau oder bei der Überarbeitung eines Kennzahlensystems berücksichtigt werden sollten. Dabei geht es nicht um möglichst viele Zahlen, sondern um Kennzahlen, die eindeutig definiert, verstanden und tatsächlich steuerbar sind.

Darauf kommt es an

01

Kennzahlen müssen eindeutig und werkübergreifend einheitlich definiert sein

Der Begriff Liefertreue klingt zunächst eindeutig. Das Ergebnis hängt jedoch davon ab, ob der Kundenwunschtermin oder der bestätigte Termin verwendet wird, welche Toleranz gilt und ob auftrags- oder positionsbezogen gemessen wird. Ohne gemeinsame Definition sind Vergleiche zwischen Werken wertlos.

02

Durchschnittswerte können erhebliche Abweichungen verdecken

Ein guter Mittelwert bedeutet nicht, dass ein Prozess stabil läuft. Einzelne Tage mit erheblichen Abweichungen können in der monatlichen Betrachtung verschwinden. Verteilung, Spannweite, Median sowie Minimum und Maximum liefern deshalb ein deutlich realistischeres Bild.

03

Absolute Zahlen sind häufig aussagekräftiger als relative Kennzahlen

Bei einer relativen Kennzahl bleibt zunächst offen, ob sich der Zähler oder der Nenner verändert hat. Bei der Ausschussquote kann beispielsweise eine andere Produktionsmenge das Ergebnis beeinflussen, obwohl die Zahl der Fehler unverändert geblieben ist. Die absoluten Werte sollten deshalb mindestens mitgeliefert werden.

04

Kombinierte Kennzahlen wie OTIF sollten nur gezielt eingesetzt werden

OTIF zeigt, ob eine Lieferung gleichzeitig pünktlich und vollständig war. Die Kennzahl macht jedoch nicht sichtbar, welches der beiden Kriterien Probleme verursacht. Wenn beide Aspekte nicht zwingend gemeinsam betrachtet werden müssen, sind Liefertreue und Vollständigkeit getrennt aussagekräftiger.

05

Aggregierte Kennzahlen wie die OEE vernichten steuerungsrelevante Informationen

Bei der OEE werden Verfügbarkeit, Leistungsgrad und Qualitätsrate miteinander multipliziert. Im Ergebnis ist nicht mehr erkennbar, welcher Faktor sich wie verändert hat. Außerdem kann der Leistungsgrad steigen, obwohl Produkte hergestellt werden, für die kein Kundenbedarf besteht.

06

Führungskräfte müssen verstehen, wie sie Kennzahlen beeinflussen können

Eine Kennzahl lässt sich nur steuern, wenn ihre Inhalte und Wirkzusammenhänge verstanden werden. Das betrifft insbesondere kaufmännische Größen wie Primär- und Sekundärkosten, Investitionen, Rückstellungen oder Wechselkurseffekte. Führungskräfte müssen nachvollziehen können, welche Entscheidungen sich auf welche Zahl auswirken.

Die Episode ist am 2. August 2026 erschienen.

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