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#017 Handeln statt Hoffen: Michael Scharfschwerdt über Resilienz und den Operationsplan Deutschland

Neue Episode am13. September 2026

Darum geht es

Resilienz wird inzwischen ähnlich häufig verwendet wie Nachhaltigkeit. Doch ein Begriff allein macht noch kein Unternehmen widerstandsfähiger. Entscheidend ist, ob eine Organisation mögliche Krisen durchdenkt, sich vorbereitet, im Ernstfall handlungsfähig bleibt und anschließend aus den Erfahrungen lernt.

Mit Michael Scharfschwerdt spreche ich darüber, warum das klassische Risikomanagement dafür nicht mehr ausreicht. Geopolitische Entwicklungen folgen nicht immer den vertrauten wirtschaftlichen Logiken. Sie können Lieferketten, Absatzmärkte, Standorte, Daten und Infrastruktur innerhalb kurzer Zeit verändern. Deshalb gehören diese Fragen auf die Agenda von Vorstand und Aufsichtsrat. Gleichzeitig müssen Einkauf, Logistik, Produktion und weitere Funktionen ihr Wissen einbringen.

Dabei geht es nicht nur um weltweite Konflikte. Viele Unternehmen sind bereits auf einen länger andauernden Stromausfall, Hochwasser, eine Bombendrohung oder einen Krankheitsausbruch im eigenen Betrieb nicht ausreichend vorbereitet.

Der Operationsplan Deutschland eröffnet eine weitere Perspektive. Im Spannungsfall wäre Deutschland eine logistische Drehscheibe für die NATO. Unternehmen könnten unmittelbar betroffen sein, etwa durch fehlende Fahrer, einberufene Reservisten, militärisch relevante Transportwege oder Anforderungen an Versorgung und Infrastruktur. Wer sich damit beschäftigt, gewinnt Klarheit darüber, welchen Beitrag das eigene Unternehmen leisten kann und wo konkreter Handlungsbedarf besteht.

Darauf kommt es an

01

Resilienz umfasst Vorbereitung, Reaktion und Lernen

Eine Organisation muss mögliche Ereignisse vorab durchdenken, im Ernstfall handlungsfähig bleiben und anschließend aus dem Verlauf lernen. Sonst werden bei der nächsten Krise dieselben Fehler wiederholt.

02

Lokale Ereignisse gehören in die Vorsorge

Resilienz beginnt nicht erst bei Krieg, Pandemie oder geopolitischen Konflikten. Stromausfälle, Hochwasser, Bombendrohungen oder Krankheitsausbrüche können einen Betrieb ebenfalls empfindlich treffen. Auch für solche Ereignisse braucht es vorbereitete Handlungspläne.

03

Geopolitik erweitert das klassische Risikomanagement

Historische Daten und rechnerische Wahrscheinlichkeiten reichen nicht mehr aus. Politische Entscheidungen und Machtinteressen folgen häufig einer anderen Logik und können bestehende Risikomodelle grundlegend verändern.

04

Geopolitische Risiken sind eine Führungsaufgabe

Das Thema gehört auf die Agenda von Vorstand und Aufsichtsrat. Es darf weder an eine Stabsfunktion noch allein an den Einkauf delegiert werden. Auch Produktion, Logistik und weitere Bereiche müssen ihr Wissen in die Risikobetrachtung einbringen.

05

Szenarien machen ungewisse Entwicklungen bearbeitbar

Nicht jedes Ereignis lässt sich exakt vorhersagen. Unternehmen können jedoch mögliche Entwicklungen durchspielen, Frühindikatoren beobachten und Handlungsoptionen vorbereiten. Die Entscheidung, welche Szenarien priorisiert werden, bleibt eine unternehmerische Aufgabe.

06

Der Operationsplan Deutschland betrifft auch Unternehmen

Deutschland soll im Spannungsfall als logistische Drehscheibe der NATO dienen. Dafür werden neben staatlichen Stellen auch zivile Infrastruktur, Transportkapazitäten, Versorgungsleistungen und Unternehmen benötigt.

07

Personalverfügbarkeit kann zum kritischen Faktor werden

Lkw-Fahrer, Reservisten und Mitglieder von Hilfsorganisationen könnten im Ernstfall an anderer Stelle gebraucht werden. Unternehmen sollten verstehen, welche Auswirkungen dies auf ihre eigene Betriebsfähigkeit hätte.

08

Der Standort eines Unternehmens erhält eine neue Bedeutung

Betriebe an militärisch relevanten Transportwegen, Pipelines oder anderer kritischer Infrastruktur könnten mittelbar betroffen sein. Lage und Umfeld des eigenen Standorts gehören deshalb in die Risikobetrachtung.

Mein Gesprächspartner

Michael Scharfschwerdt

Michael Scharfschwerdt ist Executive Director Foresight Europe bei Kearney. Zuvor leitete er den Planungsstab im Auswärtigen Amt und arbeitete an der ersten nationalen Sicherheitsstrategie Deutschlands mit.

Seine beruflichen Stationen führten ihn mehrfach zwischen Politik und Wirtschaft. Heute unterstützt er Unternehmen dabei, geopolitische Entwicklungen einzuordnen, Risiken zu erkennen und daraus konkrete Handlungsoptionen abzuleiten.

Die neue Episode erscheint am 13. September 2026.

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