Darum geht es
Wie wird aus mehreren Werken ein leistungsfähiges Produktionsnetzwerk? Und wie gelingt es, ein solches Netzwerk nicht nur stabil, sondern auch anpassungsfähig zu machen?
Steffen Krippendorf berichtet, wie neue Kundenanforderungen und ein zunehmend kurzfristiges Geschäft den Anstoß für eine umfassende Transformation gaben. Die Werke teilten ihre Kompetenzen, unterstützten sich bei Kapazitätsengpässen und nutzten Spezialwissen standortübergreifend.
Im Gespräch geht es außerdem um dezentrale Entscheidungen, die Steuerung von Veränderungsprojekten und den gezielten Einsatz digitaler Technologien. Steffens Haltung ist dabei klar: Nach einer soliden Vorbereitung muss eine Organisation ins Handeln kommen.
Darauf kommt es an
Ein Produktionsnetzwerk muss mehr sein als eine Gruppe von Werken
Die Stärke eines Produktionsnetzwerks entsteht durch die Zusammenarbeit der Standorte. Gemeinsame Kapazitäten, Kompetenzen und Ressourcen machen den gesamten Verbund schneller und widerstandsfähiger.
Spezialwissen sollte werkübergreifend verfügbar sein
Experten anderer Standorte halfen bei der Instandsetzung von Anlagen, bei Make-or-buy-Entscheidungen und bei Problemen mit Lieferanten. Dadurch ließen sich Stillstandszeiten verkürzen und Entscheidungen fundierter treffen.
Entscheidungen gehören dorthin, wo gehandelt wird
In einem Werk müssen täglich zahlreiche Entscheidungen getroffen werden. Werden Mitarbeiter befähigt, diese Entscheidungen unmittelbar in ihrem Verantwortungsbereich zu treffen, steigt die Reaktionsgeschwindigkeit der gesamten Organisation.
Veränderungsprojekte brauchen einen kurzen Steuerungstakt
Wöchentliche Projektreviews am Shopfloor zeigten, was erreicht wurde, welche Hindernisse bestanden und welche Entscheidungen notwendig waren. Probleme wurden damit sichtbar, bevor aus einer Verzögerung ein größerer Rückstand entstand.
Digitalisierung beginnt mit einem betrieblichen Problem
Digitale Zwillinge reduzierten Kapazitätsverluste bei Produktänderungen. Maschinendaten unterstützten die vorausschauende Instandhaltung und die Verknüpfung von Produktions- und Qualitätsdaten half, mögliche Ausfälle früher zu erkennen. Entscheidend war jeweils der konkrete Nutzen.
Eine umgesetzte 85-Prozent-Lösung kann besser sein als weiteres Zögern
Nicht jede Entscheidung erweist sich im Nachhinein als richtig. Wer Risiken abwägt, eine belastbare Grundlage schafft und dann beginnt, kann Erfahrungen sammeln und nachsteuern. Ohne Entscheidung bleibt auch der Erkenntnisgewinn aus.
Mein Gesprächspartner
Steffen Krippendorf
Steffen Krippendorf ist Senior Vice President Operations der Driventic GmbH. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er in unterschiedlichen Funktionen der Produktion. Er leitete Montagelinien, Qualitäts- und Planungsbereiche, Werke und Produktionsnetzwerke.
Die Episode ist am 1. März 2026 erschienen.