Darum geht es
MES, KI, digitale Zwillinge, vernetzte Beschäftigte oder Industrial Metaverse: Digitalisierung in der Produktion umfasst sehr unterschiedliche Themen. Sie reichen von der Erfassung einzelner Maschinendaten bis zur Veränderung ganzer Geschäftsmodelle.
Mit Tobias Herwig spreche ich darüber, wie sich dieses breite Themenfeld strukturieren lässt. Tobias ist Host des Podcasts „Fabrik der Zukunft“ und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Weiterentwicklung von Produktionssystemen.
Wir ordnen die Digitalisierung in sieben Pfade ein. Dazu gehören digitale Transparenz, digitale Shopfloorarbeit, Planung und Steuerung, IT und OT Architektur, digitale Fabrikplanung, Industrial AI sowie digitale Geschäftsmodelle und Ökosysteme.
Dabei wird deutlich: Es gibt keinen allgemeingültigen Einstieg. Entscheidend ist, welches Problem gelöst werden soll. Ebenso wichtig ist der Weg vom ersten Pilotprojekt über einen stabilen Betrieb bis zur Skalierung.
Darauf kommt es an
Digitalisierung braucht zuerst ein klares Zielbild
Bevor über Systeme gesprochen wird, muss klar sein, welchen Beitrag die Fabrik im Wettbewerb und im Produktionsnetzwerk leisten soll. Liefertreue, Herstellkosten und Durchlaufzeit geben die Richtung vor.
Das Problem bestimmt die digitale Lösung
Qualitätsprobleme erfordern andere Daten und Systeme als mangelnde Liefertreue oder lange Durchlaufzeiten. Der Ausgangspunkt darf deshalb nicht der Wunsch nach einem bestimmten Werkzeug sein.
Es gibt keinen allgemeingültigen Digitalisierungspfad
Ein Unternehmen beginnt mit Maschinendaten, ein anderes mit der Produktionsplanung oder digitaler Shopfloorarbeit. Auch KI kann ein Einstieg sein. Entscheidend sind Ausgangslage und Handlungsbedarf.
Eine verlässliche Datenbasis entsteht nicht von selbst
Maschinendaten müssen zugänglich, manuelle Prozesse erfassbar und Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammengeführt werden. Erst dann können Daten für Entscheidungen genutzt werden.
Transparenz ist noch keine Verbesserung
Echtzeitdaten und Dashboards verändern zunächst noch keinen Prozess. Wirkung entsteht erst, wenn Abweichungen verstanden, Entscheidungen getroffen und Maßnahmen umgesetzt werden.
Der Nutzen entsteht erst in der breiten Anwendung
Eine funktionierende Lösung in einem Pilotbereich ist noch keine Skalierung. Erst der verlässliche Einsatz in weiteren Bereichen und Werken führt zu einer messbaren Wirkung.
Mein Gesprächspartner
Tobias Herwig
Tobias Herwig ist Host des Podcasts „Fabrik der Zukunft“. Er beschäftigt sich mit der Gestaltung zukunftsfähiger Produktionssysteme und den Möglichkeiten, die Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz dafür bieten.
Die Episode ist am 16. August 2026 erschienen.