Wie ASSA ABLOY eine weitgehend automatisierte Produktionslogistik für hohe Variantenvielfalt und geringe Stückzahlen vorbereitet.
Worum es in dieser Episode geht
In dieser Episode spricht Jörg mit Bernd Hausler, Chief Operating Officer Central Europe bei der ASSA ABLOY Sicherheitstechnik GmbH, über die Automatisierung der Produktionslogistik am Standort Berlin.
Dort soll ein neuer Produktionslogistik-Hub entstehen. Material wird künftig nach dem Wareneingang in einheitliche Gebinde überführt, automatisiert gelagert und auftragsbezogen kommissioniert. Fahrerlose Transportsysteme sollen die Produktionslinien versorgen und auf dem Rückweg Fertigware und nicht verbrauchte Spezialkomponenten mitnehmen.
Die hohe Variantenvielfalt macht das Vorhaben anspruchsvoll. Jeder Kundenauftrag ist individuell. Deshalb werden Kundenaufträge in geeignete Prozesslosgrößen aufgeteilt. Saubere Arbeitspläne, stabile Prozesse und verlässliche Daten müssen vorhanden sein, bevor die eigentliche Automatisierung beginnen kann.
Im Gespräch geht es außerdem um die Ausfallsicherheit durch einen festen Zeitpuffer, die Einbindung unterschiedlicher IT-Systeme, die schrittweise Umstellung der Produktionslinien und die Veränderungen für die Beschäftigten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Frage, warum wirtschaftlich gute Zeiten der richtige Moment sind, um Effizienzprojekte umzusetzen und Vorsorge für schwierigere Phasen zu treffen.
Die wichtigsten Erkenntnisse
•Automatisierung beginnt nicht mit der Auswahl einer technischen Lösung. Zuerst müssen Prozesse stabil, Arbeitspläne gepflegt und die erforderlichen Daten verlässlich sein.
•Hohe Variantenvielfalt und kundenindividuelle Fertigung schließen Automatisierung nicht aus. Kundenaufträge müssen dafür in Prozesslosgrößen aufgeteilt werden, die zu den jeweiligen Fertigungsschritten passen.
•Transparenz kann bereits vor der Automatisierung entstehen. RFID-E-Ink-Tags zeigen bei ASSA ABLOY den aktuellen Arbeitsschritt, das nächste Ziel und den internen Liefertermin eines Auftrags.
•Ein vollständig automatisiertes Lager benötigt einen definierten Puffer. Eine Frozen Zone von 24 Stunden soll gewährleisten, dass die Produktion bei Störungen für etwa 16 Produktionsstunden weiter versorgt werden kann.
•In einer dezentralen Systemlandschaft muss klar sein, welches System die Steuerung übernimmt. Bei ASSA ABLOY soll das Fertigungssteuerungssystem die Aufträge koordinieren, während die beteiligten Systeme über einen zentralen Datenspeicher Informationen austauschen.
•Die Umstellung erfolgt Produktionslinie für Produktionslinie. Der Parallelbetrieb mit dem bestehenden Lager reduziert das Risiko und schützt Lieferfähigkeit und Qualität.
•Automatisierung verändert Aufgaben und Rollen. Ein klares Zielbild, offene Kommunikation und flexibel qualifizierte Beschäftigte sind notwendig, damit die neue Arbeitsorganisation funktioniert.
•Bei komplexen Projekten sollte externe Expertise in den Business Case einbezogen werden. Wartung, Software, Lizenzen, Schulungen und weitere Folgekosten müssen realistisch berücksichtigt werden.
•Wirtschaftlich gute Zeiten schaffen den finanziellen Spielraum für Veränderungen. Wer erst in der Krise handelt, verfügt möglicherweise über freie personelle Kapazitäten, aber nicht mehr über die notwendigen Investitionsmittel.
Weiterführende Links
👤 Gast dieser Episode:
Bernd Hausler
Chief Operating Officer Central Europe bei der ASSA ABLOY Sicherheitstechnik GmbH
Bernd Hausler auf LinkedIn · ASSA ABLOY
🎙️ Dein Host:
Jörg Cwojdzinski auf LinkedIn · der wertstrom auf LinkedIn · der wertstrom im Web · Flussgrad1 GmbH